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Hallo, liebe Radsportfans!

Nochmals herzlich willkommen auf meiner Homepage. Hier  möchte ich mich Euch  vorstellen und berichten, wie alles angefangen und sich über die Zeit entwickelt hat.

Ein echtes Münchner Kindl spielt als erstes Fußball

Ich bin am 24.01.1960 in München geboren und aufgewachsen, habe auch hier mein Abi gebaut, natürlich mit Leistungskurs Sport! Bin seit Oktober 95 mit Martina verheiratet (fuhr bis 2001 auch Radrennen bei der Equipe Nürnberger).

Ich war als Kind eigentlich nur im Freien und absolvierte mit meinen Freunden manches Abenteuer - gut, daß das meiste nicht zu meinen Eltern vordrang! Im Sport rannte auch ich zuerst dem Ball hinterher, verbrachte jeden Tag Stunden auf dem Fußballplatz und agierte auch aktiv im Verein als Mittelfeldspieler.

Im alpinen Skirennsport reichte es nicht zur absoluten Spitze

Meine wahre Leidenschaft aber war der alpine Skirennsport. Daran waren meine Eltern schuld, die mich schon mit zwei Jahren auf die Ski gestellt und mein weiteres Fortkommen forciert hatten. Als es dann allerdings zum Rennsport kam, waren sie wieder weniger begeistert, insbesondere meine Mutter hatte immer sehr viel Angst um mich. Dazu hatte sie auch allen Grund, da ich mich zum Abfahrtsspezialisten entwickelte und auch sehr risikobereit war. Ich hielt es für ein kalkulierbares Risiko, ein bißchen wie im http://www.casino.com/...... Wenn du weißt, was du tust, ist es völlig in Ordnung und macht sogar Spaß.

Gott sei Dank blieb ich von schweren Stürzen und Verletzungen verschont, die Basis für sehr gute Kraftausdauerfähigkeiten eignete ich mir aus dieser Zeit an. Mehrere Jahre war ich Mitglied der Verbandsmannschaft des Skigaus München und Angehöriger der Städteskinationalmannschaft, mein größter Erfolg war ein 6. Platz bei den internationalen Französischen Meisterschaften im Abfahrtslauf 1978 in Pra Loup auf der Herren-Weltcupstrecke.

Das Rennrad als optimale Vorbereitung für den Skiabfahrtssport: der Radvirus ist implantiert!

Schon damals begann ich, mich auf die Skisaison mit dem Rennrad vorzubereiten, allerdings mit unmöglichem Material, Tourenrad (auf Rennrad getrimmt) und Turnschuhe waren angesagt. Trotzdem war ich immer ein Stück schneller als meine optimal ausgerüsteten Kollegen und als es im Skirennsport nicht mehr so recht weiterging, einige schneearme Winter kaum mehr Abfahrtswettbewerbe zuließen und damit die notwendigen FIS - Punkte nicht mehr erzielt werden konnten, sattelte ich im zarten Alter von 20 Jahren komplett zum Radsport um. Zuvor war ich bereits zwei Jahre lang zweigleisig gefahren.

In dieser Zeit um 1979/80 war sowieso ein großer Umbruch in meinem Leben. Abitur, dann die sportliche Umorientierung hin zum Radsport und ­ einer der größten Fehler in meinem Leben ­ die Verpflichtung zum Zeitoffizier (SaZ 13) bei den Gebirgsjägern, die mir als Folge absoluten Zeitmangel bei der Ausübung meines Sports einbrachte. Erst später, als ich beim Bund studierte und dann bei einer späteren Verwendung als Sportoffizier an der Sportschule in Warendorf, kam ich so einigermaßen zum Trainieren. 


Ansonsten hieß es: "Sie sind Offizier und kein Sportler, wenn Sie gefördert werden wollen, hätten Sie die Unteroffizierslaufbahn einschlagen müssen!". Wenn jetzt wenigstens meine Identifikation mit dieser Aufgabe "Offizier" durchgängig und langfristig gestimmt hätte ......... aber das ist ein anderes Thema.


Auf jeden Fall behaupte ich heute in der Rückschau, daß mir durch diese Verpflichtung in der Armee letztlich der große Durchbruch versagt geblieben ist.


Spätberufener Radrennfahrer hat einen schweren Start

Aber noch einmal zurück zu den Anfängen meiner Radsportkarriere. Am Anfang ging es unheimlich zäh, ich war den unregelmäßigen Rhythmus nicht gewohnt, konnte in technischer Hinsicht nicht mithalten, lag entweder dauernd am Boden oder war auch ­ ehrlich gesagt ­ genügend oft abgehängt. Aber ich biß mich durch, lernte schnell und war nach zwei Jahren A-Fahrer, trotz immenser Dienstzeitbelastung bei der Bundeswehr.

In diesen Zeiten trainierte ich abends oder nachts nach Dienst mit Licht am Rad, oder z.B. frühmorgens von 4 Uhr früh bis zum Antreten ­ Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie groggy ich die ganze Zeit war! Für die Härte war es eine gute Schule.


Als Student die ersten Erfolge, Wandlung zum Zeitfahrspezialisten

In der Zeit meines Studiums bei der Bundeswehr 1981-85, das ich als Diplom - Kaufmann abschloß, konnte ich endlich meine Zeit besser einteilen und es ging Jahr für Jahr im Radsport bergauf. Auch meine ersten Trainerlizenzen machte ich in dieser Zeit.

Ende 1985 kam ich zurück in die Kampftruppe und die alten Probleme begannen wieder, die Saison 1986 war dann auch nicht besonders. Das änderte sich erst, als ich Offizierslehrgänge ab Herbst 1986 absolvierte und mich über den Winter absolut profimäßig vorbereiten konnte.

1987 war überhaupt das entscheidende Jahr. Ich erkannte meine Stärke im Einzelzeitfahren und konnte große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene einfahren. Für den Bundestrainer war ich allerdings als 27-jähriger und reiner Zeitfahrer uninteressant, in Italien wäre ich längst in der Auswahl für den Straßenvierer gewesen.

Ich bekam eine Stelle an der Sportschule der Bundeswehr und konnte endlich einigermaßen regelmäßig trainieren.

Große Knieprobleme, Operationen und positiver Dopingbefund!
Allerdings meldeten sich zum ersten Mal intensiv meine Knie mit starken Schmerzen, v.a. das linke. Und wenn man hohe Ziele hat, will man möglichst schnell gesund werden. Ganz im mechanistischen Denkmodell der Schulmedizin verfangen, ließ ich mich operieren ("so eine kleine Athroskopie, danach können Sie sofort wieder trainieren,"), bekam prompt eine Infektion im Knie (Fistel), mußte nachoperiert werden, das Bein wurde in Gips gelegt und die Muskeln verkümmerten stündlich.

Anschließend wurde ich in einer Rehaklinik behandelt, muskuläres Aufbautraining war angesagt und das wurde medikamentös unterstützt.

Die Quittung kam bei den Deutschen Meisterschaften im 50 km Zeitfahren im Juli 1987 in Passau. Meine sportliche Leistung als Nobody (ich wurde Deutscher Vizemeister) schlug ein wie eine Bombe, das Ergebnis der Dopingkontrolle allerdings auch: positiv!

Die mir verabreichten anabolen Mittel hatten Langzeitwirkung, setzen sich in solchen Fällen gerne im Unterhautfettgewebe ab und werden dann bei maximaler Anstrengung frei.

Was ich dann in der Folge erlebt habe, ist eine wichtige Erfahrung für mich gewesen. Drei Monate Sperre, Titel weg, Nationalteam - Ambitionen begraben, Häme und Spott im Umfeld, Desinformation und Kesseltreiben via Presse, etc..

Sportliche Rehabilitation und die erfolgreichsten Jahre in großen Mannschaften!
Ich kam aber gestärkt aus all dem heraus, wechselte 1988 zu Hennes Junkermann nach Dortmund, dem besten deutschen Team damals zusammen mit der RSG Nürnberg, der ich mich dann 1989 anschloß, weil ich nach München zurückgekehrt und schließlich Ende 1989 vorzeitig aus der Bundeswehr ausgeschieden war. 1990 erhielt ich dann ein sehr gutes Angebot von der RSG Wattenscheid.

1988-89 waren dann international als Zeitfahrer meine besten Jahre. Ich wurde noch zwei Mal Deutscher Vizemeister, Dritter bei der DM im Straßenvierer, gewann mit Dortmund die Radbundesliga, wurde mit Rolf Aldag 1988 Vize-Europameister im Paarzeitfahren und 1989 zusammen mit dem Olympiasieger Flavio Anastasia an gleicher Stelle Europameister (53er - Schnitt über 64 km!). Das war noch so richtiges Männerradfahren ohne Triathlonlenker, mit Scheibe hinten und vorne und Büffelhornlenker). Wegen dieses Erfolges bin ich noch heute bei Insidern in Italien bekannt!

Daneben standen Erfolge in Open - Zeitfahren (mit Profis zusammen) in Frankreich, Schweiz und Italien, allerdings ohne Sieg, aber immer zwischen Platz 2 und 4. Überhaupt ist der häufigste Podiumsplatz in meiner Karriere leider der zweite, teilweise wurde ich in der Presse schon als der "Silberschmied" bezeichnet.

Ich erhielt dann auch einige Angebote von Profimannschaften bei diesen Zeitfahren, als Rouleur und Wasserträger natürlich. Aber erstens war ich bei der Bundeswehr gebunden, zweitens sah ich ganz realistisch meine Schwäche in den Bergen auf internationaler Ebene und drittens ..... wenn man heute die Dopingproblematik im Spitzenradrennsport ansieht, bin ich heilfroh, daß ich es nicht gemacht habe. Und ich war und bin ja auch ein gebranntes Kind.

Große Knieoperationen, Identitätskrise, geistige Umorientierung und Ausbildungen
Gleichzeitig wurden die gesundheitlichen Probleme von Jahr zu Jahr schlimmer, stürzten mich in eine schlimme Identitätskrise, ließen mich aber auch auf einen Weg der Umorientierung kommen. Jeden Winter wurde ich mindestens einmal an den Knien operiert, nie konnte ich optimal durchtrainieren. Als Ursache meiner Schmerzen vermuteten die Spezialisten (und davon habe ich in Deutschland wohl alle gesehen) eine angeborene Fehlstellung der Kniescheiben und damit erhöhter lateraler Anpressdruck und Abnutzung. Heute würde ich mich nie mehr operieren lassen!

Der Gipfelpunkt waren dann zwei große und abschließende Umstellungsoperationen (Versetzen der Kniescheiben mit Kapselspaltung) Ende 1990 und Anfang 1991. Danach war ich nicht mehr der Alte, mußte mehrjährig pausieren und von ganz unten anfangen. Das war wirklich eine schlimme Zeit, denn der Sport bedeutete mir damals alles, gibt mir auch heute noch sehr viel, aber insgesamt neun Operationen sprechen eine deutliche Sprache.

In dieser Zeit absolvierte ich meine Ausbildung zum Heilpraktiker und Sportheilpraktiker, machte ein Studium an der Trainerakademie Köln (Abschluß Diplomtrainer), beschäftigte mich viel mit Philosophie und Sinnfragen des Lebens. Ganz langsam näherte ich mich über Rehatraining, Normalsport und intensivem Hobbysport wieder meinem alten Niveau an. 

Training findet seit dieser Zeit nur mehr knieorientiert statt, wenn Schmerzen auftreten, handle ich nicht mehr gegen meinen Körper. In solchen Fällen gehe ich dann lieber ins Fitness - Studio und trainiere meinen Oberkörper oder mache einfach einmal etwas ganz anderes.

Vom Rehatraining zurück zum Leistungstraining
Immerhin habe ich in dieser Zeit Anfang der 90er Jahre das Training der Grundlagenausdauer auf die Spitze getrieben. Da hochintensives Fahren nicht so möglich war, unternahm ich lange MTB-Touren in den Bergen. Da kamen dann beispielsweise solche Aktionen wie 16 Stunden ununterbrochene Fahrzeit heraus, aber ich habe das einfach gebraucht, die Berge, das Alleinsein, die gute Luft und das Gefühl, das es langsam wieder aufwärts ging. 

Ich habe dann auch meine körperlichen Schwachpunkte angenommen und akzeptiert, was früher nicht der Fall gewesen war. Die Knie hatten zu funktionieren und wenn nicht, wurden sie in die Werkstatt (sprich: OP) gebracht. So ging es nicht! Heute habe ich meine Knie angenommen, sie gehören zu mir und ich entschuldige mich oft bei ihnen dafür, was ich ihnen alles angetan habe. Und sie danken es mir bis dato mit einer ungeahnten Stabilisierung eines zumindest fast optimalen Zustandes, beinahe vollkommen schmerzfrei und annähernd maximal belastbar.

Meine Ärzte habe ich auf jeden Fall ad absurdum geführt, so einen wie mich dürfte es nach der herrschenden orthopädischen Lehrmeinung gar nicht geben.

Erfahrungen als Leiter einer Sportgruppe und Kurzeinsatz als Olympiastützpunktleiter
1992 und 93 habe ich dann selbst mit großem persönlichen Einsatz eine eigene Sportgruppe aufgebaut und gecoacht, wir waren auch eine recht gute Truppe mit Erfolg und netten, talentierten Leuten. Allerdings nahm dann die Sache ein menschlich enttäuschendes Ende. Mit Sicherheit war ich noch zu sehr selber Rennfahrer und zu jung für einen sportlichen Leiter, meine Trainingsmethoden waren hart und mein Ton oft undiplomatisch rauh (der Offizier!), nicht alle kamen damit zurecht. Für alle Beteiligten aber war es eine wichtige Erfahrung und einige der damaligen Fahrer meinen heute in der Rückschau, daß es ohne eine solch straffe Führung gar nicht geht, nur - ich war halt nur knapp älter als meine "Renner"!

Mitte 1993 gab ich dann noch ein kurzes sechsmonatiges Intermezzo als Olympiastützpunktleiter München, für so einen wie mich mit meinen Qualifikationen eine optimale Sache, sollte man meinen. Meinte ich auch, stürzte mich voll in die Aufgabe und schnell waren die Schwachpunkte erkannt. Die wollte ich maximal schnell lösen, wirbelte gewaltig Staub auf (und das in der Probezeit!) und übersah dabei völlig, das es ein deutsches Sportbeamtentum gibt. Als wachsweiche Marionette auf solch einem Posten (700 Athleten aus 16 olympischen Verbänden waren angeschlossen, Ärzte, Trainingsdiagnostik, Leistungssteuerung, Wissenschaftler, Physiotherapie, Trainingsstätten, daß dir die Augen getränt haben und noch, noch, noch .....) wollte ich nicht herhalten und so trennte man sich wieder.

Comeback 1994/1995
Das hatte mir dann so gewaltig gestunken, daß ich 1994 nach drei Jahren Pause wieder mit dem Rennsport anfing, sehr schnell wieder durch zwei Klassen hindurch aufstieg. Alles ohne Auto, seit 92 hatte ich aus Überzeugung keines mehr, Anfahrten nur mit Zug, per Rad oder mit Freunden, da kamen vor dem Rennen schon oft sehr viele Radkilometer zusammen. Auf hohem Niveau gehören jedoch Radrennen und das Auto symbiotisch zusammen, das stört mich bei unserem Sport eigentlich sehr.

Ende 1994 wagte ich mich an das Abenteuer MTB, druckmäßig ging es mir sehr gut, aber technisch, na ja ..... Immerhin wurde ich im Herbst vier Mal hintereinander in der Eliteklasse Zweiter. Daraufhin bekam ich einen Platz in einem angeblichen MTB-Profiteam. Mein Ziel war es, bei der 1995 letztmalig stattfindenden Senioren-WM in Kirchzarten für Deutschland im Nationaltrikot zu starten, nachdem mir das früher immer verwehrt geblieben war.

Der sportliche Leiter entpuppte sich als Betrüger mit mehrfach geleistetem Offenbarungseid, das Team platzte im Mai 1995 ohne Geld und Material auseinander, wir standen alle auf der Straße. Ich war so enttäuscht, das ich gleich den ganzen Rennsport hinschmiss. In der Rückschau denke ich heute, daß ich einfach mit den alten Leistungsvorstellungen an mich an die Sache herangegangen war, aber das war einfach nicht mehr angesagt, der Spaß an der Sache sollte und soll eindeutig heute an erster Stelle stehen.

Positives gab es natürlich auch. Im März 1994 lernte ich (wie soll es auch anders sein?) im Trainingslager auf Mallorca meine Frau Martina kennen, wir heirateten dann im Herbst 95 und sind sehr glücklich miteinander!

Diplomtrainer im Fitness-Studio ........ und zweites Comeback 1998
1995 bis 1997 arbeitete ich dann als Diplomtrainer intensiv in der Fitnessbranche, stand aber weiterhin voll im Radtraining, das Feuer glomm immer noch in mir! Und es kam, wie es kommen mußte: Ich probierte es noch einmal und gewann 1998 nach zwei Jahren Rennpause bei meinem ersten Start gleich wieder, mein Aufstieg zur  A-Eliteklasse war ein paar Wochen später perfekt und seitdem zählte ich erneut zur Elite der bayerischen Straßenfahrer! Nochmals hatte ich es ohne eigenes Auto probiert und wieder mußte ich die Grenzen erkennen.

Da stand mein Entschluß fest: ganz oder gar nicht! Ich ging ab Herbst 1998 auf die Suche nach Privatsponsoren, zuerst sah es sehr schlecht aus, aber dann wurde ich unerwartet in sehr positiver Weise fündig.

1999 -2001 und ein erzwungenes Karriereende
Drei Jahre lang hatte ich nun potente Geldgeber und konnte meinen Sport wieder profimäßig ausüben. Jeweils sehr gründliche Saisonvorbereitungen mit viel Krafttraining, Skilanglauf in der Heimat und vielen Radcamps im Süden waren die guten Formgrundlagen. Exotische Etappenrennen in dieser Zeit
haben mir am meisten gegeben, obwohl ich mitnichten dem Idealtypus eines Etappenfahrers entspreche.

Ich stellte Kontakte zu Veranstaltern in aller Welt her, organisierte gemischte deutsche Mannschaften und wir fuhren zum Teil hochklassige, bis zu 2000km lange Rennen, wie z.B. Argentinien-Rundfahrt, Istrien- und Kroatien-Rundfahrt, Marokko- und Algerien-Rundfahrt, Vuelta in der Dominikanischen Republik, Bulgarien-Rundfahrt, usw..

Einige sehr gute Etappenplazierungen konnte ich zwar erringen, doch meistens war gegen die GS1/2-Profiteams kein Kraut gewachsen! Durch die vielen Etappenrennen waren meine Heimateinsätze von großer Müdigkeit geprägt, die üblichen hiesigen Rennen hatten allerdings auch für mich nicht mehr diesen Stellenwert.

Einige schöne Podestplätze konnte ich dann doch noch herausfahren. So gewann ich z.B. 1999 das internationale Rundstreckenrennen im Münchner Olympiapark im Alleingang und zwar auf eine Art und Weise, wie ich es selbst nicht für möglich gehalten hatte. Ich attackierte auf den letzten 4 km und hielt das in der Finaljagd begriffene Feld allein in Schach, bei Dauertempo immer über 50 km/h und schneller! Ein kleines bißchen war ich schon stolz auf mich! 

Eine äußerst unangenehme, ab Mai 1999 fortwährend andauernde Kontroverse mit meinem damaligen Verein RV Sturmvogel München trieb mich häufig ins Gelände zu den MTB-Marathons, an denen ich seither mit viel Spaß regelmäßig teilnehme. Auch hier konnte ich erfolgreich agieren, aber allein vom Rennfahrertypus her sind Siege in diesem Metier für mich aufgrund meines Gewichts sehr schwer!

Und auch sonst hatte ich es auf der Straße nicht leicht: jeder Rennfahrer weiß von meinen überdurchschnittlichen Rollerqualitäten und meiner Vorliebe für Solos. Ich wurde gnadenlos markiert, es war und ist wirklich sehr hart, die Konkurrenz zu versetzen. Und das Durchschnittstempo wird jedes Jahr höher!

Auf der Grundlage der in den vielen Etappenrennen erworbenen Rennhärte stellte ich im Sommer (ich liebe Hitzerennen!) mein Training um, trainierte kurz, intensiv und viel hinter dem Motorrad. Es gelangen so meist an jedem Wochenende eine Plazierung unter den ersten Fünf.

Ende 2001 war ich mit absoluter Sicherheit der älteste A-Elitefahrer der Republik, dieses unter Freunden immer im spaßhaften Disput genannte Ziel war also erreicht. Mir war bewußt geworden, wie müde mein Kopf doch war und der Entschluß zum Aufhören reifte immer mehr heran. Ansonsten hätten sie mich irgendwann eines Tages vom Rad herunterschießen müssen! 

Sitzprobleme hatten mich eigentlich immer während meiner Karriere begleitet, aber 2001 litt ich an einem fisteligen Sitzgeschwür, das sich mehr oder weniger heftig bemerkbar machte und auch mit den stärksten Medikamenten kaum in den Griff zu bekommen war. Mein Immunsystem kämpfte andauernd schwer gegen diesen Herd, zusammen mit den vielen harten Rundfahrten war ich eigentlich chronisch müde und erschöpft.

Nach der Bulgarien-Rundfahrt Anfang September war das Geschwür dann fast kinderfaustgroß und ich bekam vom Professor der Universitätshautklink München sofort ein mehrmonatiges Fahrverbot, gleichbedeutend mit meinem Karriereende, das ich mir so allerdings nicht vorgestellt hatte.

Diagnose Krebs: Der größte Kampf meines Lebens
Die Umorientierung im Leben gelang mir nicht sehr gut. Ich konzentrierte mich auf meine diversen Tätigkeiten als Trainer und Trainingsmethodiker, baute meinen Fahrradfachhandel sehr vorsichtig aus. Anfang 2002 legte ich beim TSV Unterhaching die Basis für ein Nachwuchsrennteam, das ich als Trainer und Mädchen für alles 3,5 Jahre lang betreute. Dies machte auch sehr viel Spaß.

Obwohl ich alles mittrainierte, fehlten mir die Rennen. Meine Unausgewogenheit dokumentiert die Tatsache, daß ich in meiner Karriere niemals so viele Stunden auf dem Rad, im Kraftraum oder in der Loipe absolvierte wie im Jahr 2002!

Dabei hatte ich nach wie vor mit meinen Sitzproblemen zu kämpfen. Im Sommer 2003 war die Sache so schlimm wie nie zuvor und so kam der oben erwähnte Professor erneut zum Zuge. Eine operative Versorgung war unumgänglich und alle Voruntersuchungen wurden durchgeführt.

Dabei wurde ein Hodenkrebs diagnostiziert. Die Welt brach für mich zusammen.

Am 21.7.2003 wurde ich operiert, dabei wurde auch das kinderfaustgroße Sitzgeschwür entfernt. Chemotherapie und Bestrahlung waren vorerst nicht notwendig.

Die physische Seite war relativ schnell bewältigt, schon im Oktober trainierte ich wieder wie eh und je. Psychisch war die Verletzung viel tiefer und langwieriger. Mit einem Schlag war ich ein anderer geworden.

Zeit des Aufbaus
Die Arbeit mit meinem Rennteam gab mir viel Kraft, am sportlichen Wachsen der Rennfahrer habe ich mich wieder hochgezogen. Nach einem Kuraufenthalt im Juni 2004, der mir besonders mittels Gesprächstherapie sehr viel eingebracht hatte, betrachtete ich mich als gesund. Depressive Rückfälle meisterte ich mit Hilfe meines Umfeldes, besonders meiner lieben Frau.

Mein Hormonstatus war und ist im unteren Normbereich. Ich machte auf einmal alle Symptome eines alten Mannes durch: Depression, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Sinnfragen über das Leben im allgemeinen, Libidoeinschränkungen............

Das war deshalb alles so schlimm, weil ich bisher das Ticken der biologischen Uhr kaum verspürt hatte. Ich hatte mich immer gefühlt wie ein Endzwanziger, war Radrennen gefahren bis zu meinem 42. Geburtstag und hatte eigentlich nur aus Vernunftgründen und aufgrund meines desaströsen Sitzfleischzustandes aufgehört. Es ging mir eigentlich immer richtig gut und ich fühlte mich stark.

Schon die Tatsache, nicht mehr Rennfahrer zu sein, hatte mir enorme Probleme bereitet, auf einmal hatte ich keine Ziele mehr gehabt und ich musste mich umorientieren. Ich hatte schon genug damit zu tun, dann kommt da auch noch ein Tumor vorbei und nicht nur irgendeiner ............. Ich fühlte mich auf einen Schlag um so vieles älter.

Sehr, sehr langsam konnte ich diese bisher größte Aufgabe meines Lebens bewältigen. Das wird sicher noch lange dauern.

Das dritte Comeback 2005
Schon immer hatte mich gefuchst, daß ich nur im Training auf meine Rennfahrer einwirken konnte. Zusammen mit meinem Wunsch, mir selbst zu zeigen, daß ich wieder der Alte war, reifte in mir im Verlauf der Vorbereitung des Teams auf die Rennsaison 2005 der Plan heran, wieder eine Rennlizenz zu lösen.

Ich war mir mit der Abteilungsleitung einig, daß ich in der Rolle eines "capitain de la route", eines taktischen Beraters, eine wertvolle Rolle spielen könnte. Als Trainer zog ich mich im Verlaufe der Saison immer mehr zurück, die rein spaßorientierte Gesinnung meiner Rennfahrer kollidierte mit meiner professionellen Einstellung.

Mein Plan blieb bis zum ersten Rennen geheim, die allgemeine Überraschung war sprichwörtlich, die Gründlichkeit meiner Winterarbeit allerdings auch. Alle taktischen Optionen sollten ausgenutzt werden, also auch die Nutzung ALLER Chancen durch ALLE Fahrer.

Schon mein drittes Rennen konnte ich Ostern 2005 im Alleingang gewinnen, Anfang Juli war ich nach weiteren fünf TopTen-Plazierungen wieder A-Fahrer. Es war wie früher, mit langen Solos konnte ich meine Rollerqualitäten ausspielen.

Die erhoffte Zugwirkung auf die Rennfahrer war zwiespältig, eine sich schon länger anbahnende Polarisierung im Leistungsspektrum der Mannschaft griff nicht zuletzt durch meine Leistungen voll durch. Die finanzielle Situation des TSV Unterhaching macht zukünftig geförderten Leistungssport in der Radsportabteilung unmöglich. So wird man beim TSV einen totalen Aderlass an Rennfahrern verkraften müssen.

Ich selbst werde nun von Jahr zu Jahr, eventuell sogar von Monat zu Monat schauen. Da sitzt ein gereifter Kopf auf einem Gott sei Dank jung gebliebenen Körper und der fragt so manches Mal, was wir beide hier denn eigentlich tun?

Die Entwicklung eines Menschen läßt sich nicht aufhalten.

 

Einige Werte  

Größe

184 cm

max. erreichte Wattzahl 500 Watt

Gewicht

83 - 86 kg

Ruhepuls 40 - 44 Schläge

Körperfettanteil

7 - 10 %

Lungenkapazität 6,5 Liter

Oberschenkelumfang

64 cm

relative VO2 max 78 - 82 ml/kg/min

Wadenumfang

42 cm

Herzgröße ca. 1350 ml

Brustumfang (Einatmung)

111 cm

max. Puls ca. 185 Schläge

Rad-km 1978-2008

628.000 km

 

Also Ihr seht, eher der Körpertypus einer aussterbenden Rasse (ein Fossil ??), nämlich der des Straßenvierer-Spezialisten, groß, muskulär und schwer (Gewicht spielt beim Flachzeitfahren eine eher untergeordnete Rolle), spezialisiert auf große Übersetzungen und höchstes Dauertempo. Leider ist der Vierer ja der Disziplin MTB geopfert worden.

Als Rennfahrer möchte ich mich selbst eher als den Typ "offensiver Roller" bezeichnen, trotz meines Gewichts passabel am Berg (international komme ich bei langen Bergen in Not), passabel auch im Sprint, besonders in kleinen Gruppen und wenn etwas mit der Kraft zu machen ist (Massensprints sind nicht meine Welt), überdurchschnittlich als Roller, deshalb gehe ich eben meistens Attackieren beim Rennen!

Witzig für mich: bei meinem letzten Leistungstest wurde gesagt, ich solle um neun (!) Kilogramm Muskeln abnehmen, ich sei viel zu schwer für einen Radfahrer. Ich fragte daraufhin, wie ich dann im Krafttraining noch schwere Kniebeugen, Klimmzüge und Bankdrücken machen sollte?

Aber ehrlich, es wäre mir nicht gut bekommen und ich bin froh um meine Körperstatur, das unterstützt meinen Fahrstil und ist sicher hilfreich bei der Verletzungsprophylaxe (Rücken, etc.).