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Hallo, liebe Radsportfans! Nochmals
herzlich willkommen auf meiner Homepage. Hier möchte ich mich
Euch vorstellen und berichten,
wie alles angefangen und sich über die Zeit entwickelt hat. Ende 1985 kam ich zurück in die Kampftruppe und die alten Probleme begannen wieder, die Saison 1986 war dann auch nicht besonders. Das änderte sich erst, als ich Offizierslehrgänge ab Herbst 1986 absolvierte und mich über den Winter absolut profimäßig vorbereiten konnte. 1987 war überhaupt das entscheidende Jahr. Ich erkannte meine Stärke im Einzelzeitfahren und konnte große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene einfahren. Für den Bundestrainer war ich allerdings als 27-jähriger und reiner Zeitfahrer uninteressant, in Italien wäre ich längst in der Auswahl für den Straßenvierer gewesen. Ich bekam eine Stelle an der Sportschule der Bundeswehr und konnte endlich einigermaßen regelmäßig trainieren. Große
Knieprobleme, Operationen und positiver Dopingbefund!
Anschließend wurde ich in einer Rehaklinik behandelt, muskuläres Aufbautraining war angesagt und das wurde medikamentös unterstützt. Die Quittung kam bei den Deutschen Meisterschaften im 50 km Zeitfahren im Juli 1987 in Passau. Meine sportliche Leistung als Nobody (ich wurde Deutscher Vizemeister) schlug ein wie eine Bombe, das Ergebnis der Dopingkontrolle allerdings auch: positiv! Die mir verabreichten anabolen Mittel hatten Langzeitwirkung, setzen sich in solchen Fällen gerne im Unterhautfettgewebe ab und werden dann bei maximaler Anstrengung frei. Was ich dann in der Folge erlebt habe, ist eine wichtige Erfahrung für mich gewesen. Drei Monate Sperre, Titel weg, Nationalteam - Ambitionen begraben, Häme und Spott im Umfeld, Desinformation und Kesseltreiben via Presse, etc.. Sportliche
Rehabilitation und die erfolgreichsten Jahre in großen Mannschaften!
1988-89 waren dann international als Zeitfahrer meine besten Jahre. Ich wurde noch zwei Mal Deutscher Vizemeister, Dritter bei der DM im Straßenvierer, gewann mit Dortmund die Radbundesliga, wurde mit Rolf Aldag 1988 Vize-Europameister im Paarzeitfahren und 1989 zusammen mit dem Olympiasieger Flavio Anastasia an gleicher Stelle Europameister (53er - Schnitt über 64 km!). Das war noch so richtiges Männerradfahren ohne Triathlonlenker, mit Scheibe hinten und vorne und Büffelhornlenker). Wegen dieses Erfolges bin ich noch heute bei Insidern in Italien bekannt! Daneben standen Erfolge in Open - Zeitfahren (mit Profis zusammen) in Frankreich, Schweiz und Italien, allerdings ohne Sieg, aber immer zwischen Platz 2 und 4. Überhaupt ist der häufigste Podiumsplatz in meiner Karriere leider der zweite, teilweise wurde ich in der Presse schon als der "Silberschmied" bezeichnet. Ich erhielt dann auch einige Angebote von Profimannschaften bei diesen Zeitfahren, als Rouleur und Wasserträger natürlich. Aber erstens war ich bei der Bundeswehr gebunden, zweitens sah ich ganz realistisch meine Schwäche in den Bergen auf internationaler Ebene und drittens ..... wenn man heute die Dopingproblematik im Spitzenradrennsport ansieht, bin ich heilfroh, daß ich es nicht gemacht habe. Und ich war und bin ja auch ein gebranntes Kind. Große Knieoperationen, Identitätskrise, geistige
Umorientierung und Ausbildungen
Der Gipfelpunkt waren dann zwei große und abschließende Umstellungsoperationen (Versetzen der Kniescheiben mit Kapselspaltung) Ende 1990 und Anfang 1991. Danach war ich nicht mehr der Alte, mußte mehrjährig pausieren und von ganz unten anfangen. Das war wirklich eine schlimme Zeit, denn der Sport bedeutete mir damals alles, gibt mir auch heute noch sehr viel, aber insgesamt neun Operationen sprechen eine deutliche Sprache. In dieser Zeit absolvierte ich meine Ausbildung zum Heilpraktiker und Sportheilpraktiker, machte ein Studium an der Trainerakademie Köln (Abschluß Diplomtrainer), beschäftigte mich viel mit Philosophie und Sinnfragen des Lebens. Ganz langsam näherte ich mich über Rehatraining, Normalsport und intensivem Hobbysport wieder meinem alten Niveau an. Training findet seit dieser Zeit nur mehr knieorientiert statt, wenn Schmerzen auftreten, handle ich nicht mehr gegen meinen Körper. In solchen Fällen gehe ich dann lieber ins Fitness - Studio und trainiere meinen Oberkörper oder mache einfach einmal etwas ganz anderes. Vom Rehatraining
zurück zum Leistungstraining
Ich habe dann auch meine körperlichen Schwachpunkte angenommen und akzeptiert, was früher nicht der Fall gewesen war. Die Knie hatten zu funktionieren und wenn nicht, wurden sie in die Werkstatt (sprich: OP) gebracht. So ging es nicht! Heute habe ich meine Knie angenommen, sie gehören zu mir und ich entschuldige mich oft bei ihnen dafür, was ich ihnen alles angetan habe. Und sie danken es mir bis dato mit einer ungeahnten Stabilisierung eines zumindest fast optimalen Zustandes, beinahe vollkommen schmerzfrei und annähernd maximal belastbar. Meine Ärzte habe ich auf jeden Fall ad absurdum geführt, so einen wie mich dürfte es nach der herrschenden orthopädischen Lehrmeinung gar nicht geben. Erfahrungen
als Leiter einer Sportgruppe und Kurzeinsatz als Olympiastützpunktleiter
Mitte 1993 gab ich dann noch ein kurzes sechsmonatiges Intermezzo als Olympiastützpunktleiter München, für so einen wie mich mit meinen Qualifikationen eine optimale Sache, sollte man meinen. Meinte ich auch, stürzte mich voll in die Aufgabe und schnell waren die Schwachpunkte erkannt. Die wollte ich maximal schnell lösen, wirbelte gewaltig Staub auf (und das in der Probezeit!) und übersah dabei völlig, das es ein deutsches Sportbeamtentum gibt. Als wachsweiche Marionette auf solch einem Posten (700 Athleten aus 16 olympischen Verbänden waren angeschlossen, Ärzte, Trainingsdiagnostik, Leistungssteuerung, Wissenschaftler, Physiotherapie, Trainingsstätten, daß dir die Augen getränt haben und noch, noch, noch .....) wollte ich nicht herhalten und so trennte man sich wieder. Comeback
1994/1995
Ende 1994 wagte ich mich an das Abenteuer MTB, druckmäßig ging es mir sehr gut, aber technisch, na ja ..... Immerhin wurde ich im Herbst vier Mal hintereinander in der Eliteklasse Zweiter. Daraufhin bekam ich einen Platz in einem angeblichen MTB-Profiteam. Mein Ziel war es, bei der 1995 letztmalig stattfindenden Senioren-WM in Kirchzarten für Deutschland im Nationaltrikot zu starten, nachdem mir das früher immer verwehrt geblieben war. Der sportliche Leiter entpuppte sich als Betrüger mit mehrfach geleistetem Offenbarungseid, das Team platzte im Mai 1995 ohne Geld und Material auseinander, wir standen alle auf der Straße. Ich war so enttäuscht, das ich gleich den ganzen Rennsport hinschmiss. In der Rückschau denke ich heute, daß ich einfach mit den alten Leistungsvorstellungen an mich an die Sache herangegangen war, aber das war einfach nicht mehr angesagt, der Spaß an der Sache sollte und soll eindeutig heute an erster Stelle stehen. Positives gab es natürlich auch. Im März 1994 lernte ich (wie soll es auch anders sein?) im Trainingslager auf Mallorca meine Frau Martina kennen, wir heirateten dann im Herbst 95 und sind sehr glücklich miteinander! Diplomtrainer
im Fitness-Studio ........ und zweites Comeback 1998
Da stand mein Entschluß fest: ganz oder gar nicht! Ich ging ab Herbst 1998 auf die Suche nach Privatsponsoren, zuerst sah es sehr schlecht aus, aber dann wurde ich unerwartet in sehr positiver Weise fündig. 1999 -2001 und ein
erzwungenes Karriereende Ich stellte Kontakte zu Veranstaltern in aller Welt her, organisierte gemischte deutsche Mannschaften und wir fuhren zum Teil hochklassige, bis zu 2000km lange Rennen, wie z.B. Argentinien-Rundfahrt, Istrien- und Kroatien-Rundfahrt, Marokko- und Algerien-Rundfahrt, Vuelta in der Dominikanischen Republik, Bulgarien-Rundfahrt, usw.. Einige sehr gute Etappenplazierungen konnte ich zwar erringen, doch meistens war gegen die GS1/2-Profiteams kein Kraut gewachsen! Durch die vielen Etappenrennen waren meine Heimateinsätze von großer Müdigkeit geprägt, die üblichen hiesigen Rennen hatten allerdings auch für mich nicht mehr diesen Stellenwert. Einige schöne Podestplätze konnte ich dann doch noch herausfahren. So gewann ich z.B. 1999 das internationale Rundstreckenrennen im Münchner Olympiapark im Alleingang und zwar auf eine Art und Weise, wie ich es selbst nicht für möglich gehalten hatte. Ich attackierte auf den letzten 4 km und hielt das in der Finaljagd begriffene Feld allein in Schach, bei Dauertempo immer über 50 km/h und schneller! Ein kleines bißchen war ich schon stolz auf mich! Eine äußerst unangenehme, ab Mai 1999 fortwährend andauernde Kontroverse mit meinem damaligen Verein RV Sturmvogel München trieb mich häufig ins Gelände zu den MTB-Marathons, an denen ich seither mit viel Spaß regelmäßig teilnehme. Auch hier konnte ich erfolgreich agieren, aber allein vom Rennfahrertypus her sind Siege in diesem Metier für mich aufgrund meines Gewichts sehr schwer! Und auch sonst hatte ich es auf der Straße nicht leicht: jeder Rennfahrer weiß von meinen überdurchschnittlichen Rollerqualitäten und meiner Vorliebe für Solos. Ich wurde gnadenlos markiert, es war und ist wirklich sehr hart, die Konkurrenz zu versetzen. Und das Durchschnittstempo wird jedes Jahr höher! Auf der Grundlage der in den vielen Etappenrennen erworbenen Rennhärte stellte ich im Sommer (ich liebe Hitzerennen!) mein Training um, trainierte kurz, intensiv und viel hinter dem Motorrad. Es gelangen so meist an jedem Wochenende eine Plazierung unter den ersten Fünf. Ende 2001 war ich mit absoluter Sicherheit der älteste A-Elitefahrer der Republik, dieses unter Freunden immer im spaßhaften Disput genannte Ziel war also erreicht. Mir war bewußt geworden, wie müde mein Kopf doch war und der Entschluß zum Aufhören reifte immer mehr heran. Ansonsten hätten sie mich irgendwann eines Tages vom Rad herunterschießen müssen! Sitzprobleme hatten mich eigentlich immer während meiner Karriere begleitet, aber 2001 litt ich an einem fisteligen Sitzgeschwür, das sich mehr oder weniger heftig bemerkbar machte und auch mit den stärksten Medikamenten kaum in den Griff zu bekommen war. Mein Immunsystem kämpfte andauernd schwer gegen diesen Herd, zusammen mit den vielen harten Rundfahrten war ich eigentlich chronisch müde und erschöpft. Nach der Bulgarien-Rundfahrt Anfang September war das Geschwür dann fast kinderfaustgroß und ich bekam vom Professor der Universitätshautklink München sofort ein mehrmonatiges Fahrverbot, gleichbedeutend mit meinem Karriereende, das ich mir so allerdings nicht vorgestellt hatte. Diagnose Krebs: Der größte Kampf meines Lebens Obwohl ich alles mittrainierte, fehlten mir die Rennen. Meine Unausgewogenheit dokumentiert die Tatsache, daß ich in meiner Karriere niemals so viele Stunden auf dem Rad, im Kraftraum oder in der Loipe absolvierte wie im Jahr 2002! Dabei hatte ich nach wie vor mit meinen Sitzproblemen zu kämpfen. Im Sommer 2003 war die Sache so schlimm wie nie zuvor und so kam der oben erwähnte Professor erneut zum Zuge. Eine operative Versorgung war unumgänglich und alle Voruntersuchungen wurden durchgeführt. Dabei wurde ein Hodenkrebs diagnostiziert. Die Welt brach für mich zusammen. Am 21.7.2003 wurde ich operiert, dabei wurde auch das kinderfaustgroße Sitzgeschwür entfernt. Chemotherapie und Bestrahlung waren vorerst nicht notwendig. Die physische Seite war relativ schnell bewältigt, schon im Oktober trainierte ich wieder wie eh und je. Psychisch war die Verletzung viel tiefer und langwieriger. Mit einem Schlag war ich ein anderer geworden. Zeit des Aufbaus Mein Hormonstatus war und ist im unteren Normbereich. Ich machte
auf einmal alle Symptome eines alten Mannes durch: Depression,
Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Sinnfragen über das Leben im allgemeinen,
Libidoeinschränkungen............ Sehr, sehr langsam konnte ich diese bisher größte Aufgabe meines Lebens bewältigen. Das wird sicher noch lange dauern. Das dritte Comeback 2005 Ich war mir mit der Abteilungsleitung einig, daß ich in der Rolle eines "capitain de la route", eines taktischen Beraters, eine wertvolle Rolle spielen könnte. Als Trainer zog ich mich im Verlaufe der Saison immer mehr zurück, die rein spaßorientierte Gesinnung meiner Rennfahrer kollidierte mit meiner professionellen Einstellung. Mein Plan blieb bis zum ersten Rennen geheim, die allgemeine Überraschung war sprichwörtlich, die Gründlichkeit meiner Winterarbeit allerdings auch. Alle taktischen Optionen sollten ausgenutzt werden, also auch die Nutzung ALLER Chancen durch ALLE Fahrer. Schon mein drittes Rennen konnte ich Ostern 2005 im Alleingang gewinnen, Anfang Juli war ich nach weiteren fünf TopTen-Plazierungen wieder A-Fahrer. Es war wie früher, mit langen Solos konnte ich meine Rollerqualitäten ausspielen. Die erhoffte Zugwirkung auf die Rennfahrer war zwiespältig, eine sich schon länger anbahnende Polarisierung im Leistungsspektrum der Mannschaft griff nicht zuletzt durch meine Leistungen voll durch. Die finanzielle Situation des TSV Unterhaching macht zukünftig geförderten Leistungssport in der Radsportabteilung unmöglich. So wird man beim TSV einen totalen Aderlass an Rennfahrern verkraften müssen. Ich selbst werde nun von Jahr zu Jahr, eventuell sogar von Monat zu Monat schauen. Da sitzt ein gereifter Kopf auf einem Gott sei Dank jung gebliebenen Körper und der fragt so manches Mal, was wir beide hier denn eigentlich tun? Die Entwicklung eines Menschen läßt sich nicht aufhalten.
Also Ihr seht, eher der Körpertypus einer aussterbenden Rasse (ein Fossil ??), nämlich der des Straßenvierer-Spezialisten, groß, muskulär und schwer (Gewicht spielt beim Flachzeitfahren eine eher untergeordnete Rolle), spezialisiert auf große Übersetzungen und höchstes Dauertempo. Leider ist der Vierer ja der Disziplin MTB geopfert worden. Als Rennfahrer möchte ich mich selbst eher als den Typ "offensiver Roller" bezeichnen, trotz meines Gewichts passabel am Berg (international komme ich bei langen Bergen in Not), passabel auch im Sprint, besonders in kleinen Gruppen und wenn etwas mit der Kraft zu machen ist (Massensprints sind nicht meine Welt), überdurchschnittlich als Roller, deshalb gehe ich eben meistens Attackieren beim Rennen! Witzig für mich: bei meinem letzten Leistungstest wurde gesagt, ich solle um neun (!) Kilogramm Muskeln abnehmen, ich sei viel zu schwer für einen Radfahrer. Ich fragte daraufhin, wie ich dann im Krafttraining noch schwere Kniebeugen, Klimmzüge und Bankdrücken machen sollte? Aber
ehrlich, es wäre mir nicht gut bekommen und ich bin froh um meine
Körperstatur, das unterstützt meinen Fahrstil und ist sicher hilfreich bei der Verletzungsprophylaxe
(Rücken, etc.). |