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Münchner Kindl spielt als erstes Fußball
Am 24.01.1960 in München geboren und aufgewachsen, habe ich hier auch mein Abi gebaut, natürlich mit Leistungskurs Sport! Seit Oktober 95 bin ich mit Martina verheiratet, die bis 2001 im Frauen-Profiradteam der Equipe Nürnberger fuhr.

Als Kind war ich eigentlich nur im Freien und absolvierte mit meinen Freunden so manches Abenteuer. Lange Stunden wurden täglich auf dem Fußballplatz verbracht und ich agierte auch im Verein als Mittelfeldspieler.

Im alpinen Skirennsport reichte es nicht zur absoluten Spitze

Meine wahre Leidenschaft aber war der alpine Skirennsport. Daran waren meine Eltern schuld, die mich schon mit zwei Jahren auf die Ski gestellt und mein weiteres Fortkommen forciert hatten. Als es dann allerdings zum Rennsport kam, waren sie wieder weniger begeistert, insbesondere meine Mutter hatte immer sehr viel Angst um mich. Dazu hatte sie auch allen Grund, da ich mich zum Abfahrtsspezialisten entwickelte und auch ziemlich risikobereit war.

Ich blieb von schweren Stürzen und Verletzungen verschont, meine guten Kraftausdauerfähigkeiten stammen aus dieser Zeit. Mehrere Jahre war ich in der Verbandsmannschaft des Skigaus München und Angehöriger der Städteskinationalmannschaft. Mein größter Erfolg war ein 6.Platz bei den internationalen Französischen Meisterschaften im Abfahrtslauf 1978 in Pra Loup auf der Herren-Weltcupstrecke.

Das Rennrad als optimale Vorbereitung für den Skiabfahrtssport: Virusimplantation!

Schon damals bereitete ich mich auf die Skisaison mit dem Rennrad vor. Mit schlechtem Material und Turnschuhen war ich schneller als meine optimal ausgerüsteten Kollegen. Als einige schneearme Winter kaum mehr Abfahrtswettbewerbe zuließen und ich die notwendigen FIS-Punkte nicht mehr erzielen konnte, sattelte ich 1980 komplett zum Radsport um.

Es war die Zeit der großen Veränderungen. Abitur, Umorientierung zum Radsport und Verpflichtung zum Zeitoffizier bei den Gebirgsjägern, die mir als Folge absoluten Zeitmangel bei der Ausübung meines Sports einbrachte. Erst später, als ich beim Bund studierte und als Sportoffizier kam ich so einigermaßen zum Trainieren.
Wenn jetzt wenigstens meine Identifikation mit dem Offiziersberuf durchgängig gestimmt hätte.... In der Rückschau ist festzustellen, daß mir durch diese Verpflichtung der große Durchbruch versagt geblieben ist.

Spätberufener Radrennfahrer hat einen schweren Start

Am Anfang meiner Radsportkarriere ging es zäh, ich war den unregelmäßigen Rhythmus nicht gewohnt, konnte in technischer Hinsicht nicht mithalten, nahm zahlreiche Bodenproben und wurde oft abgehängt. Aber ich biß mich durch, lernte schnell und war nach zwei Jahren A-Elitefahrer, trotz immenser Dienstzeitbelastung bei der Bundeswehr. Ich trainierte frühmorgens vor sowie abends oder nachts nach dem Dienst ­ für die Härte war es eine gute Schule.

Als Student die ersten Erfolge, Wandlung zum Zeitfahrspezialisten

In der Zeit meines BWL-Studiums bei der Bundeswehr 1981-85, das ich als Diplom-Kaufmann abschloß, konnte ich meine Zeit besser einteilen und es ging Jahr für Jahr im Radsport bergauf. Auch meine ersten Trainerlizenzen machte ich in dieser Zeit.

Ende 1985 kam ich zurück in die Kampftruppe und die alten Probleme begannen wieder. Als ich ab Herbst 1986 Offizierslehrgänge absolvierte und mich über den Winter absolut profimäßig vorbereitete, erkannte ich meine Stärke im Zeitfahren. Ab 1987 konnte ich große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene einfahren. Für den Bundestrainer war ich allerdings als 27-Jähriger und reiner Zeitfahrer uninteressant, in Italien wäre ich längst in der nationalen Auswahl für den Straßenvierer gewesen. Ich bekam eine Stelle an der Sportschule der Bundeswehr und konnte einigermaßen regelmäßig trainieren.

Große Knieprobleme, Operationen und positiver Dopingbefund
Die hohen Belastungen forderten ihren Tribut. Ich hatte Knieprobleme und ließ mich operieren ("nur eine kleine Athroskopie, danach können Sie sofort wieder trainieren"), bekam prompt eine Infektion, mußte nachoperiert werden, das Bein wurde in Gips gelegt und die Muskeln verkümmerten stündlich.
Anschließend absolvierte ich muskuläres, medikamentös unterstütztes Aufbautraining in einer Rehaklinik.

Die Quittung kam bei den Deutschen Meisterschaften im 50km Einzelzeitfahren im Juli 1987 in Passau. Meine sportliche Leistung als Nobody (ich wurde Deutscher Vizemeister) schlug ein wie eine Bombe, das Ergebnis der Dopingkontrolle allerdings auch: positiv! Ich wußte nicht, wie der zu hohe Testosteron-/Epitestosteron-Quotient, der damals im Gegensatz zur heutigen Zeit gleichbedeutend mit einer exogenen, verbotenen Gabe von anabolen Steroiden gleichgesetzt wurde, zustande gekommen war.

Auf der Suche nach einer Erklärung war eine Fachmeinung, daß die mir in der Reha verabreichten anabolen Mittel Langzeitwirkung gehabt und sich im Unterhautfettgewebe abgesetzt hätten. Dann wären sie bei maximaler Anstrengung frei geworden. Andrologen winkten schon damals bei dieser These angesichts des verwendeten Medikaments (wasserlöslich mit kurzer Halbwertszeit, Kontrolle 5 Monate nach Therapie, geringe Dosis, ohne Depotwirkung) ab. 20 Jahre später wurde ich aufgrund meiner genetischen Disposition und vor dem Hintergrund neuer Testmethoden offiziell zum größten Teil rehabilitiert (Gutachten Deutsche Sporthochschule Köln - Institut für Biochemie).

Was ich nach dem positiven Dopingbefund erlebte, war eine wichtige Erfahrung für mich: drei Monate Sperre, Titel und Nationalkaderambitionen weg, Häme und Spott im Umfeld, Desinformation und Kesseltreiben via Presse, etc..

Sportliche Rehabilitation und die erfolgreichsten Jahre in großen Mannschaften
Ich kam gestärkt aus all dem heraus, wechselte 1988 zu Hennes Junkermann nach Dortmund, dem damals besten deutschen Team zusammen mit der RSG Nürnberg, der ich mich dann 1989 anschloß, weil ich nach München zurückgekehrt und aus der Bundeswehr ausgeschieden war. 1990 erhielt ich dann ein sehr gutes Angebot von der RSG Wattenscheid.

1988-89 waren dann international als Zeitfahrer meine besten Jahre. Ich wurde noch zwei Mal Deutscher Vizemeister, Dritter bei der DM im Straßenvierer, gewann mit Dortmund die Radbundesliga, wurde mit Rolf Aldag 1988 Vize-Europameister im Paarzeitfahren und 1989 mit Olympiasieger Flavio Anastasia Europameister. Daneben standen Erfolge in Profizeitfahren in Frankreich, Schweiz und Italien. Der häufigste Podiumsplatz in meiner Karriere war der zweite, teilweise wurde ich in der Presse schon als "Silberschmied" bezeichnet.

Ich erhielt auch Angebote von Profimannschaften. Da ich bei der Bundeswehr gebunden war, meine Schwäche in den Bergen auf internationaler Ebene und die Dopingimmanenz im Radsport offensichtlich waren, lehnte ich ab.

Große Knieoperationen, Identitätskrise, geistige Umorientierung und Ausbildungen
Gleichzeitig wurden die Knieprobleme von Jahr zu Jahr schlimmer, stürzten mich in eine Identitätskrise, führten aber auch zu einer Umorientierung. Jeden Winter wurde ich mindestens einmal an den Knien operiert, nie konnte ich optimal durchtrainieren. Als Ursache meiner Schmerzen wurde eine angeborene Fehlstellung der Kniescheiben vermutet. Der Gipfelpunkt waren dann zwei große Umstellungsoperationen 1990. Danach mußte ich mehrjährig pausieren und von ganz unten anfangen. Das war wirklich eine schlimme Zeit, denn der Sport bedeutete mir damals alles, aber insgesamt neun Operationen sprechen Bände.

In dieser Zeit absolvierte ich meine Ausbildung zum Heilpraktiker und Sportheilpraktiker, machte ein Studium an der Trainerakademie Köln (Abschluß Diplomtrainer), beschäftigte mich viel mit Philosophie und Sinnfragen des Lebens. Ganz langsam näherte ich mich über Rehatraining, Normalsport und intensivem Hobbysport wieder meinem alten Niveau an. 

Wenn heute Schmerzen auftreten, handle ich nicht mehr gegen meinen Körper. Ich trainiere dann im Fitness-Studio meinen Oberkörper oder mache einfach etwas ganz anderes.

Vom Rehatraining zurück zum Leistungstraining
Schließlich trieb ich das Training der Grundlagenausdauer auf die Spitze. Hochintensives Fahren war noch nicht möglich, so unternahm ich lange MTB-Touren bis zu 16 h in den Bergen. Ich brauchte das einfach, die Berge, das Alleinsein, die gute Luft und das Gefühl, daß es langsam wieder aufwärts ging. 

Ich nahm meine körperlichen Schwachpunkte an und akzeptierte sie. Früher hatten meine Knie zu funktionieren, andernfalls wurden sie in die Werkstatt (sprich: OP) gebracht. Heute gehören sie zu mir und ich entschuldige mich oft bei ihnen. Sie wiederum danken es mir bis dato mit einer fast vollkommenen Schmerzfreiheit und Belastbarkeit! Meine Ärzte hatte ich auf jeden Fall ad absurdum geführt, so einen wie mich dürfte es nach der herrschenden orthopädischen Lehrmeinung gar nicht geben.

Erfahrungen als Leiter einer Sportgruppe und Kurzeinsatz als Olympiastützpunktleiter
1992/93 baute ich dann selbst mit großem persönlichen Einsatz eine eigene Sportgruppe auf und coachte sie. Wir waren eine gute Truppe mit Erfolg und netten, talentierten Leuten. Allerdings nahm die Sache ein enttäuschendes Ende. Ich war noch zu sehr Profirennfahrer und zu jung für einen sportlichen Leiter. Meine Trainingsmethoden waren hart und ich selbst enthusiastisch, aber undiplomatisch. Für alle Beteiligten war es eine wichtige Erfahrung. Viele Ehemalige halten heute meine damalige straffe Führung für unverzichtbar.

Mitte 1993 gab ich ein sechsmonatiges Intermezzo als Olympiastützpunktleiter München. Breit qualifiziert wie ich war, stürzte ich mich in die Aufgabe und schnell waren die Schwachpunkte erkannt. Ich strebte schnelle Lösungen an und wirbelte gewaltig Staub auf. Als wachsweiche Marionette im deutschen Sportbeamtentum wollte ich nicht herhalten und so trennte man sich wieder.

Comeback 1994/1995
Aus Frust begann ich 1994 nach drei Jahren Pause wieder mit dem Rennsport und stieg rasch zum A-Elitefahrer auf. Ich trainierte hart und legte z.T. auch die Reisen zu den Rennen mit dem Rad zurück. Vereinzelt
wagte ich mich trotz fahrtechnischer Defizite an das Abenteuer MTB und belegte im Herbst 1994 vier Ehrenplätze bei Eliterennen. Daraufhin bekam ich einen Platz in einem angeblichen MTB-Profiteam. Mein Ziel war die WM 1995 in Kirchzarten, nachdem mir das früher immer verwehrt geblieben war.

Der sportliche Leiter entpuppte sich als Betrüger mit mehrfach geleistetem Offenbarungseid und das Team platzte im Mai 1995 auseinander. Ich war so enttäuscht, daß ich gleich den ganzen Rennsport hinschmiss. Ich war mit den alten Leistungsvorstellungen an mich an die Sache herangegangen, aber das war einfach nicht mehr angesagt, der Spaß am Radsport sollte und soll bis heute an erster Stelle stehen.

Positives gab es natürlich auch. Im März 1994 lernte ich im Trainingslager auf Mallorca meine Frau Martina kennen, wir heirateten dann im Herbst 1995 und sind sehr glücklich miteinander!

Diplomtrainer im Fitness-Studio und zweites Comeback 1998
1995 bis 1997 arbeitete ich dann als Diplomtrainer intensiv in der Fitnessbranche, stand aber weiterhin voll im Radtraining - das Feuer glomm immer noch in mir! Und es kam, wie es kommen mußte: Ich gewann im April 1998 nach zwei Jahren Rennpause bei meinem ersten Start gleich wieder, der Aufstieg zur A-Eliteklasse war ein paar Wochen später perfekt. Diesmal
stand mein Entschluß fest: ganz oder gar nicht! Im Herbst 1998 konnte ich dann einige lukrative Sponsorenverträge abschließen.

1999 -2001 und ein erzwungenes Karriereende
Drei Jahre lang hatte ich nun potente Geldgeber und konnte meinen Sport wieder profimäßig ausüben. Jeweils sehr gründliche Saisonvorbereitungen mit viel Krafttraining, Skilanglauf in der Heimat und vielen Radcamps im Süden waren die guten Formgrundlagen. Exotische Etappenrennen
haben mir in dieser Zeit am meisten gegeben, obwohl ich mitnichten dem Idealtypus eines Etappenfahrers entspreche.

Ich stellte Kontakte zu Veranstaltern in aller Welt her, organisierte gemischte deutsche Mannschaften und wir fuhren zum Teil hochklassige, bis zu 2000km lange Rennen, wie z.B. Argentinien-Rundfahrt, Istrien- und Kroatien-Rundfahrt, Marokko- und Algerien-Rundfahrt, Vuelta in der Dominikanischen Republik, Bulgarien-Rundfahrt.

Einige gute Etappenplazierungen konnte ich zwar erringen, doch meistens war gegen die GS1/2-Profiteams kein Kraut gewachsen! Durch die vielen Etappenrennen waren meine Heimateinsätze von großer Müdigkeit geprägt. Die üblichen hiesigen Rennen hatten zwar für mich nicht mehr den Stellenwert, einige schöne Siege und Podestplätze konnte ich doch noch herausfahren. So gewann ich z.B. 1999 das internationale Rundstreckenrennen im Münchner Olympiapark im Alleingang.

Eine äußerst unangenehme, ab Mai 1999 fortwährend andauernde Kontroverse mit meinem damaligen Verein RV Sturmvogel München trieb mich häufig ins Gelände zu den MTB-Rennen. Auch hier konnte ich erfolgreich agieren, obwohl ich vom Rennfahrertypus her aufgrund meines Körpergewichts eigentlich zu schwer bin. Die Freude und die Faszination am MTB-Sport gewann ich jedoch in dieser Zeit.

Auf der Straße hatte ich es nicht leicht: jeder Rennfahrer wußte von meinen überdurchschnittlichen Rollerqualitäten und meiner Vorliebe für Solos. Ich wurde gnadenlos markiert, es war sehr hart, die Konkurrenz zu versetzen und wurde jedes Jahr schwieriger. Mit dem neuen Jahrtausend stellte ich als 40-Jähriger mein Training um. Auf der Grundlage der in den vielen Etappenrennen erworbenen Rennhärte trainierte ich kurz, intensiv und viel hinter dem Motorrad. Es gelang so meist an jedem Wochenende eine Plazierung unter den ersten Fünf.

Ende 2001 war ich mit absoluter Sicherheit der älteste A-Elitefahrer der Republik, dieses unter Freunden immer im spaßhaften Disput genannte Ziel war also erreicht. Mir war bewußt geworden, wie müde mein Kopf doch war und der Entschluß zum Aufhören reifte immer mehr heran. Ansonsten hätte man mich eines Tages vom Rennrad schießen müssen! 

Sitzprobleme hatten mich während meiner Karriere immer  begleitet, aber 2001 litt ich an einem fisteligen Sitzgeschwür, das auch mit den stärksten Medikamenten kaum in den Griff zu bekommen war. Mein Immunsystem kämpfte schwer gegen diesen Herd, zusammen mit den vielen harten Rundfahrten war ich chronisch erschöpft. Nach der Bulgarien-Rundfahrt im September 2001 war das Geschwür kinderfaustgroß und ich bekam vom Professor der Unihautklink München ein mehrmonatiges Fahrverbot, gleichbedeutend mit meinem Karriereende, das ich mir so nicht vorgestellt hatte.

Diagnose Krebs: Der größte Kampf meines Lebens
Die Umorientierung gelang mir nicht sehr gut. Ich konzentrierte mich auf meine diversen Tätigkeiten als Trainer und Trainingsmethodiker, baute meinen Fahrradfachhandel vorsichtig aus. Anfang 2002 legte ich beim TSV Unterhaching die Basis für ein Nachwuchsrennteam, das ich als Trainer und Mädchen für alles 3,5 Jahre lang betreute. Dies machte auch sehr viel Spaß.

Mir fehlten die Rennen. 2002 trainierte ich soviel wie niemals zuvor, was meine Unausgewogenheit dokumentierte. Dabei hatte ich nach wie vor mit Sitzproblemen zu kämpfen. Im Sommer 2003 war die Sache so schlimm wie nie zuvor und so kam der oben erwähnte Professor erneut zum Zuge. Eine operative Versorgung war unumgänglich und alle Voruntersuchungen wurden durchgeführt. Dabei wurde ein Hodenkrebs diagnostiziert.

Am 21.07.03 wurde ich operiert, dabei wurde auch das kinderfaustgroße Sitzgeschwür entfernt. Chemotherapie und Bestrahlung waren nicht notwendig. Die physische Seite war relativ schnell bewältigt, schon im Oktober trainierte ich wieder wie eh und je. Psychisch war die Verletzung viel tiefer und langwieriger. Mit einem Schlag war ich ein anderer geworden.

Zeit des Aufbaus
Die Arbeit mit meinem Rennteam gab mir viel Kraft, am sportlichen Wachsen der Rennfahrer zog ich mich hoch. Nach einem Kuraufenthalt im Juni 2004, der mir besonders mittels Gesprächstherapie sehr viel eingebracht hatte, betrachtete ich mich als gesund. Depressive Rückfälle meisterte ich mit Hilfe meines Umfeldes, besonders meiner lieben Frau.

Mein Hormonstatus war im unteren Normbereich. Ich machte alle Symptome eines alten Mannes durch: Depression, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Sinnfragen über das Leben, Libidoeinschränkungen............

Das war deshalb alles so schlimm, weil ich bisher das Ticken der biologischen Uhr kaum verspürt hatte. Ich hatte mich immer gefühlt wie ein Endzwanziger, war Radrennen gefahren bis zu meinem 42. Geburtstag und hatte eigentlich nur aus Vernunftgründen und aufgrund meines desaströsen Sitzfleischzustandes aufgehört. Es ging mir eigentlich immer richtig gut und ich fühlte mich stark.

Nicht mehr Rennfahrer zu sein, hatte mir enorme Probleme bereitet, die Ziele fehlten und ich musste mich umorientieren. Das war schon ein großer Rucksack. Dann kommt da auch noch ein Tumor vorbei und nicht nur irgendeiner ............. Ich fühlte mich auf einen Schlag um so vieles älter. Sehr, sehr langsam konnte ich diese bisher größte Aufgabe meines Lebens bewältigen.

Drittes Comeback 2005
Schon immer hatte mich gefuchst, daß ich nur im Training auf meine Rennfahrer einwirken konnte. Zusammen mit meinem Wunsch, mir selbst zu zeigen, daß ich wieder der Alte war, reifte in mir im Verlauf der Vorbereitung des Teams auf die Rennsaison 2005 der Plan heran, wieder eine Lizenz zu lösen. Als "capitain de la route", eines taktischen Beraters, wollte ich eine wertvolle Rolle spielen. Als Trainer zog ich mich im Verlaufe der Saison immer mehr zurück, die immer weniger leistungsorientierte Gesinnung meiner Rennfahrer kollidierte mit meiner professionellen Einstellung.

Mein Plan blieb bis zum ersten Rennen geheim, die allgemeine Überraschung war sprichwörtlich, die Gründlichkeit meiner Winterarbeit allerdings auch. Schon mein drittes Rennen konnte ich Ostern 2005 im Alleingang gewinnen, Anfang Juli war ich nach weiteren fünf TopTen-Plazierungen wieder A-Elitefahrer. Es war wie früher, mit langen Solos konnte ich meine Rollerqualitäten ausspielen.

Die erhoffte Zugwirkung war zwiespältig, eine sich schon länger anbahnende Polarisierung der Mannschaft griff nicht zuletzt durch meine Leistungen voll durch. Die finanzielle Situation des TSV Unterhaching machte zusätzlich geförderten Leistungssport unmöglich, ich blieb trotzdem beim Verein. Fast alle meiner Fahrer gingen dem Radrennsport verloren.

Größere MTB-Ambitionen 2006
Mit der großzügigen Unterstützung unserer damaligen Sponsoren konnte ich  zusammen mit meiner Frau Martina für die Saison 2006 ein kleines, professionelles Privatteam aufbauen. Ich fuhr noch einige TopTen-Plazierungen auf der Straße zum Erhalt meines A-Fahrerstatus, aber Mitte des Jahres konzentrierten wir uns auf MTB-Marathons und verstärkten uns noch mit unserem guten Freund Sven Langowski.

Noch war ich mit meinen Erfolgen als langjähriger Straßenfahrer die zentrale Figur in dieser Mannschaft, doch wollte ich allmählich diese Sonderstellung auf mehrere Schultern verteilen. Im Straßenradrennsport hatte ich alles für mich Mögliche erreicht. Obwohl ich für einen Biker eigentlich zu schwer und auch technisch noch nicht perfekt war, machte mir die neue Disziplin auf Anhieb sehr viel Spaß. Ich sah für mich neue Anforderungen und Ziele, auch die Möglichkeit, sportlich erneut zu wachsen. Das ergab zusammen mit der speziellen Lockerheit der MTB-Szene nochmals die notwendige Motivation.

Leider muß ich sagen, daß mir der Abschied vom Straßenradsport angesichts der allgegenwärtigen Dopingproblematik sowie der Unfähigkeit, sich auch auf Landesverbandsebene zeitgemäß zu verändern, sehr leicht fiel. Gleich im ersten Jahr war unser kleines Team sehr erfolgreich!

Semiprofessionelles "Team www.hardi.net" 2007
2007 wurden wir ein reines MTB-Race-Team! Wir hatten noch ein paar handverlesene Fahrer eingegliedert, die mit den Sponsoren abgestimmte Neustrukturierung ergab nun eine Teamstärke von sechs Rennfahrern. In meinem 27.Jahr als A-Elitefahrer fuhr ich nur mehr zu Trainingszwecken einige Straßenrennen.

Unsere Philosophie war revolutionär und aufregend, insbesondere die Dopingproblematik betreffend ("lieber Zehnter werden, als den Sieg stehlen!"). Jeder Fahrer sollte innerhalb seiner genetischen Grenzen, seiner momentanen Form, durchaus ambitioniert, jedoch locker und freudvoll, dabei ohne äußeren Erwartungsdruck unseren schönen Sport betreiben. Somit war jeglicher Manipulation mittels Doping der unheilvolle Nährboden entzogen. Alle hatten sich im Fahrervertrag zu einem öffentlich zugänglichen Eid gegen Doping verpflichtet.

Nach einer überaus erfolgreichen Saison mit 22 Siegen, 14 Podestplätzen und 30 TopTen-Plazierungen mußte unser Team schließlich wie so viele für die Dopingsünden der Straßenprofiszene büßen. Es fanden sich aufgrund des selbstverschuldeten Imageproblems des Radsports keine geldgebenden Nachfolgesponsoren mehr und schweren Herzens mußten wir das Team auflösen.

Wie schon zeitweise 2006 hatte ich 2007 vermehrt mit gesundheitlichen Problemen und zeitweiligen Leistungsausfällen unbekannter Herkunft zu kämpfen. Trotzdem konnte ich einige Siege und weitere Spitzenplazierungen zu unserem Erfolg beitragen.

Gründung des MTB-Club München - erfolgreiches MCM-Rennteam 2008-2010
Wir verbliebenen Fahrer wollten den Fokus nicht mehr nur auf den Spitzensport zu legen. Wir gründeten den im Großraum München ersten echten, rein auf den Geländeradsport ausgerichteten MTB-Verein, das Rennteam wurde als sportliches Aushängeschild dort geparkt. Eine intensive Nachwuchsförderung und ein breit angelegter Freizeitbereich wurden installiert. Das primäre Ziel war der freudvolle Umgang mit dem MTB in schöner Natur.

Schon unseren Kleinsten wollten wir im koordinativ wichtigsten Alter spielerisch vermittelte Grundlagen mitgeben, welche im Jugendbereich durch Elemente eines sportlichen Trainings ergänzt werden und bei Lust und Eignung den Einstieg in das eigene Rennteam ermöglichen sollten. Quereinsteiger aus dem Freizeitbereich, der die solide Basis unseres Vereins bildete, wollten wir zur Abrundung integrieren. Anfang März 2008 waren alle bürokratischen Hürden gemeistert und der MTB-Club München e.V. nahm seinen sportlichen Betrieb auf.

Gleich im ersten Jahr 2008 war unser Rennteam sehr erfolgreich und dies zog sich auch in den Jahren 2009 und 2010 so durch. In den ersten 15 Monaten führte ich den Verein als Vorstand, Sportlicher Leiter, Webmaster, Presse- und Materialwart sowie als Sponsoringbeauftragter, arbeitete ehrenamtlich neben dem Rennsport wie ein Berserker und bald lief es rund. Es wurde alles ein bißchen viel und so zog ich mich nach und nach zurück. Außerdem hatte ich leider die nächste gesundheitliche Prüfung zu bestehen.

Herzrhythmusstörungen - die Ursache war endlich erkannt
In der Vorbereitung auf die Saison 2008 waren die Leistungsaussetzer schlimm wie nie. Schon in den beiden Vorjahren schwankte ich ständig zwischen Sieg und Abgehängtwerden. Kein Arzt fand eine Erklärung, die meisten tippten auf Übertraining und Burnout. Aber alles half nichts. Bei einem Leistungstest im April 2008 wurden schließlich Vorhofflimmern und -flattern entdeckt. Ich hatte jetzt amtlich Flöhe und Läuse - wahrscheinlich erblich bedingt.

Das Auftreten der Rhythmusstörungen wurde immer häufiger, dabei ergab sich ein Leistungsverlust von 15-20%. Daneben konnte ich im Anfall nicht schlafen. Rennteilnahmen machten keinen Sinn mehr und so unterzog ich mich im April 2008 einem Herzkatheter mit Ablation gegen das besser therapierbare, aber deutlich gefährlichere Vorhofflattern. Das war dann auch weg, das Flimmern blieb jedoch bestehen. Das ganze Jahr fuhr ich nur im GA-Bereich bis max. Puls 150 und unternahm viele Touren mit der MCM-Freizeittruppe.

Die wesentlich aufwendigere Ablation gegen das Vorhofflimmern fand schließlich im September 2008 statt. Drei Monate vorher mußte ich mit der Einnahme von Marcomar beginnen, für den siebenstündigen Eingriff waren vier Leistenkatheter notwendig. Die Chance stand nur bei 50% und ich zog diesmal nicht die Gesäßkarte! Ich konnte und sollte sofort voll trainieren, fuhr sogar mit EGK-Gerät ein Marathonrennen zu Testzwecken mit - alles blieb ruhig, bis zum heutigen Tag.

Ich hatte zwar eine Rennsaison verpasst, aber ein schönes Tourenjahr gehabt. Ich war überglücklich über meine Heilung und stürzte mich voller Freude wieder in das Leistungstraining. Am 31.12.08 nahm ich die letzte viertel Tablette Marcomar und betrachtete mich anschließend als vollkommen gesund.

Erfolgreiche Jahre 2009 und 2010 im MTB-Sport
Trotz akribischer Vorbereitung hatte ich bis Mitte 2009 Probleme, die absolute Topform zu erreichen. Maximale Intensitäten mußten über die Rennen wieder mühsam antrainiert werden, obwohl ich gut und konstant fuhr. Nach der Etappenfahrt "Trans-Schwarzwald" im August 2009, bei der ich mich 7 Tage lang nur am Anschlag bewegte, platzte der Knoten endgültig und so konnte ich am Ende der Saison zufrieden auf immerhin 7 Siege und 11 Podiumsplazierungen zurückblicken.

Die Vorbereitung auf 2010 war fast unschlagbar. Nachdem ich im Oktober 2009 eine einjährige, unbefriedigende und stressige Tätigkeit als Geschäftsführer eines großen Münchner Breitensportvereins beendet hatte, trainierte ich schon Ende November für zwei Wochen auf der Kanareninsel La Palma. Ende Januar befand ich mich für eine Woche auf  Lanzarote und bestritt dort auch erfolgreich zwei Rennen. Ende Februar trainierte ich eine Woche auf Fuerteventura, anschließend bis Ende März auf La Palma und Gran Canaria, jeweils mit einer Rennteilnahme. Die Gesamtserie der "Kanaren-Challenge" konnte ich gleich gewinnen - ein toller Start in die Saison, die ich mit 18 Siegen und 13 Podiumsplazierungen abschloss.

Einzig ein durch einen schweren Sturz aufgrund eines Absicherungsfehlers bei einem Rennen erlittener Schlüsselbeinbruch im Juli 2010 trübte die Saison. Ich verpaßte dadurch alle nationalen und internationalen Meisterschaften (BM, DM, EM, WM) in meiner Spezialdisziplin CrossCountry. Schon acht Wochen später gewann ich mein Comeback-Rennen und zog bis Mitte Oktober eine tolle Serie durch. Mit Bergmärschen und -läufen hatte ich mich nach den Vorgaben der Ärzte fit gehalten.

Am Saisonende stellte sich dann leider heraus, daß sich eine Pseudoarthrose gebildet hatte, da man die sehr laterale Fraktur mit der konservativen Rucksackverbandmethode "nicht ideal" therapiert hatte. So mußte mir Ende November in einer OP nach Refraktur und Auffrischung der Bruchenden eine spezielle Hakenplatte eingesetzt werden. Die versuchte Knochenresythese war trotz unsicherer Prognose erfolgreich und Mitte Februar 2011 wurde die Metallentfernung durchgeführt. Erst Mitte März war ich wieder voll belastbar, die Vorbereitung auf die neue Saison war suboptimal gelaufen, das wenig Mögliche jedoch maximiert worden und so begann ich das Wettkampfjahr mit einer ordentlichen Form.

2011 werde ich außerdem eine neue sportliche Heimat haben, da nach drei Jahren im MTB-Club München unterschiedliche Meinungen über den Leistungsgedanken im und das disziplinierte, fokussierte Leben für den Wettkampfsport bestehen. Es bleibt spannend!

 

Einige Werte  

Größe

184 cm

max. erreichte Wattzahl 500 Watt

Gewicht

83 - 86 kg

Ruhepuls 40 - 44 Schläge

Körperfettanteil

7 - 10 %

Lungenkapazität 6,5 Liter

Oberschenkelumfang

60-64 cm

relative VO2 max 78 - 82 ml/kg/min

Wadenumfang

40-42 cm

Herzgröße ca. 1350 ml

Brustumfang (Einatmung)

111 cm

max. Puls ca. 185 Schläge

Rad-km 1978-2011

700.350 km

 

Ich gehöre zur ausgestorbenen Rasse eines Straßenvierer-Spezialisten, groß, muskulär und schwer, spezialisiert auf hohe Übersetzungen und maximales Dauertempo. Als Straßenfahrer war ich ein offensiver Roller mit einer Vorliebe für Soloattacken, trotz meines Gewichts passabel am Berg - international kam ich bei langen Bergen in Not. Im Sprint funktionierte es auch, besonders aus kleinen Gruppen heraus und wenn etwas mit Kraft zu machen war.

Ähnlich als Biker: kurze Rampen und kraftbetonte Streckenteile sind besser für mich als lange, steile Berge. Hochintensives Dauertempo in Zeitfahrermanier ist nach wie vor meine Spezialität. Dazu habe ich mir eine recht passable Fahrtechnik im Gelände angeeignet. Am liebsten fahre ich CrossCountry-Rennen, beim Marathon gehe ich meistens über die Mitteldistanz.

Nach einem Leistungstest sollte ich einmal um neun Kilogramm Muskeln abnehmen, da ich zu schwer für einen Radfahrer sei. Ich fragte daraufhin, wie ich dann noch schwere Kniebeugen, Klimmzüge und Bankdrücken machen sollte? Es wäre mir nicht gut bekommen und ich bin froh um meine Körperstatur. Sie unterstützt meinen Fahrstil und ist hilfreich bei der Verletzungsprophylaxe.
 














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