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Aktuelles von Juli bis September 2003
30.9.2003: 18.9.2003:
Wieder einmal hilft der Sport. Aus den Bergwanderungen sind Bergläufe geworden, das Lauftraining habe ich schon wieder in leistungssportliche Bereiche angehoben und im Krafttraining bin ich bereits über die vorsichtige Anfangsphase hinaus. Seit 10 Tagen darf ich sogar wieder Radfahren - 10 min auf dem Ergometer mit Steigerungen im Minibereich. An der Sitznarbe muß wie befürchtet noch etwas operativ nachgebessert werden, allerdings kann das erst Ende Oktober erfolgen. Mein Testosteronspiegel kommt auch langsam auf die Beine, er befindet sich genau in der Mitte der normalen Bandbreite, niedriger als früher zwar, aber das kann sich mit dem Training noch anpassen. Medikamentöse Hilfe ist also erst mal nicht notwendig und da bin ich schon recht froh. Im August kamen sehr lockere 38 Trainingsstunden zusammen, kein Radfahren!
19.8.2003:
Aus meinem Sitzfleisch haben sie uferlose Dinge herausgeholt. Zwar noch alles gutartig, aber schon z.T. verknorpelt, mit vielen Fistelgängen und riesengroß. Sie haben mich von hinten nach vorne aufgeschlitzt und ich muß mindestens 3 Monate die Finger vom Rad weglassen. Der Clou: wahrscheinlich haben sie noch ein Teil übersehen und so werde ich wohl im September noch einmal nachoperiert werden müssen. Ich fürchte, ich werde die ersten Radkilometer erst im nächsten Frühjahr machen können. Der Hodentumor war ein kirschkerngroßes, in sich abgeschlossenes Geschehen (Seminom), so daß von einer Streuung nicht ausgegangen werden muß. So bleibt es also vorerst bei der Semikastration (ich liebe diese medizinischen Fachausdrücke), um Bestrahlung und Chemotherapie komme ich derzeit herum. Dafür muß ich die nächsten 10 Jahre engmaschige Kontrollen durchlaufen. Als nächstens muß kontrolliert werden, wie sich mein Hormonstatus und die Spermiogenese entwickeln. Aufgrund meines dringenden Nachfragens bei allen Ärzten kann ich hier die männliche Leserschaft beruhigen: es gibt keinen schulmedizinisch gesicherten Zusammenhang zwischen Radrennsport und Hodenkrebs! Die Häufigkeit unter Radfahrern im Vergleich zur Normalbevölkerung differiert nicht! Ansonsten - und ich schäme mich nicht, dies zu erzählen - nehme ich derzeit die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch. Ich hoffe, daß die Symptome dieses Traumas (Depression, Sinnlosigkeitsgedanken, etc.), das v.a. im Unterbewusstsein zu liegen scheint, langsam immer schwächer werden. Die mentale Bewältigung der Notwendigkeit dieser OP ist vollzogen: Hodenkrebs ist einer der aggressivsten Krebsarten überhaupt und absolut lebensbedrohend! So könnte man sagen, Glück im Unglück gehabt! Aber es bleibt immer noch ein Unglück..........
30.7.2003:
Es folgten 2 Wochen Autorally: von Therapeut zu Therapeut, alternative Methoden, Zweitmeinungen, Anwendungen. Am 20.7. kam es zur abschließenden Untersuchung, der Tumor zeigte sich nach wie vor in voller Größe im Ultraschall. Am 21.7. wurde ich 4 h lang operiert. Nach drei schlimmen Tagen ging es körperlich aufwärts und gestern bin ich aus dem Krankenhaus entlassen worden. Langsam wird mir klar, daß das physische Trauma Kindergeburtstag gegen das ist, was nun auf der psychischen Ebene auf mich zukommen wird...... Nur für die Statistik: im Juli habe ich bis zum Tag X noch 43 h auf dem Rad trainiert. Spaß hat es wegen der Wahnsinnsdiagnose und der Sitzbeule keinen gemacht, aber die Arbeit mit meiner Nachwuchstruppe mußte ja fortgeführt werden.
4.7.2003:
Bei der Gelegenheit haben sie bei mir die Diagnose Hodenkrebs gestellt. Schon am nächsten Dienstag soll ich operiert werden! Die Welt schnurrt zusammen .....................
3.7.2003:
Im Zuge der OP-Vorbereitung wurde ich nun fleißig im Krankenhaus herumgeschickt: die Kette Ambulanzarzt - Oberarzt - Professor - Mittagsvisite hatte ich hinter mir (5 h), nun folgte Ultraschall, MRT (3 h), morgen die Urologen und die plastischen Chirurgen, die den Eingriff wohl vornehmen werden. |