Aktuelles: Einige kritische Anmerkungen zur bayerischen Rennszene  anlšŖlich des Kriteriums in Erding vom 5.9.2000

 

Diese Anmerkungen sollen durchaus perspektivisch zu sehen sein. Wie schon in meinem Kommentar letzte Woche zu Amberg vermerkt, ist jeder Verein, der heutzutage überhaupt noch ein Rennen veranstaltet, absolut zu würdigen, es werden ja leider immer weniger Rennen.

Es kann jedoch nicht angehen, daß ein Rennen, das über 60km ausgeschrieben ist, nach 1 h Fahrzeit vorüber ist, de facto also nur ca. 45km lang ist! Sicher, ich nutze die wachsende Ermüdung im Feld für meine Attacken, deshalb ist mir persönlich je länger desto lieber, aber darum geht es jetzt gar nicht. Das war am Sonntag eine Damendistanz und die mosern schon, wenn es immer so kurz ist!

Eine Stunde kann jeder schnell fahren, mit zweimal 2 h Training in der Woche, rigorosem Reinhalten in den Kurven und in den Sprints, kann man auch vorne landen. Ist dies die Entwicklung, die man will? Es gibt doch sowieso keine Straßenrennen mehr, nur noch Kriterien in Bayern, wir laufen hier Gefahr, eine Inzuchtszene zu schaffen, wenn wir nicht schon eine haben. Aber die Leistungsentwicklung wird dadurch rückläufig, durch kurze Kriterien wird man nicht stark in Straßenrennen und Rundfahrten und das ist es, was international zählt.

Die Zeichen der Zeit sind mancherorts nicht erkannt worden. Durch die Einheitslizenz ist die Trennung zwischen Profis und Amateuren aufgehoben worden, dadurch sollte ein allgemeiner Schub in Richtung Professionalisierung geschehen. Bedauerlich, wenn der Rennsprecher am Sonntag immer noch von "Amateuren" spricht! Dazu muß aber auch auf der Veranstalterseite weit mehr geschehen, sonst bleibt es bei knapp 100 Zuschauern und Rennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und des medialen Interesses.

Den Aspekt der richtigen Promotion, der Akquise von Sponsoren, der Anhebung der Preis- und Antrittsgelder, damit der qualitativen Verbesserung des Fahrerfeldes, die bessere Einbindung der Medien, musikalisches Lifeprogramm, etc., dies alles möchte ich jetzt nicht zum Thema machen. Aber die rein sportliche Seite, die sollte hier angesprochen werden:

Wie in der Sportordnung vorgesehen sollte kein Kriterium unter 80km, besser 100km, auf größeren 1500 bis 2000m langen Runden, möglichst unter Einbezug einer Welle, Hügel, Brücke, Kantenwind, o.ä. sein, damit das Niveau der Fahrer auch ohne Straßenrennen stärker werden kann. Es gewinnt dann nicht mehr der, der in den Kurven auf einem 500m-Kurs am meisten riskiert - solche Rennen über z.B. 50km sollten nur als Abendrennen unter der Woche stattfinden und niedriger dotiert werden, z.B. auch mit Einlagen wie Dernyrennen, Ausscheidungsfahren, etc.. 

Zeitvorgabe der C- und B-Klasse auch bei Kriterien! Kriterien umwandeln in Rundstreckenrennen auf Endsieg über 100 bis 120km, auch mit Zeitvorgaben der B/C-Klasse. Aufstiegsplazierungen nur aus Rennen über 80km! Doppelte Punktzahl in der Wertung in der Mitte des Rennens! Keine zwei Veranstaltungen an einem Termin mehr, bessere zeitliche und örtliche Koordination, z.B. an einem Wochenende: Freitag Abend Einzel- oder Paarzeitfahren, Samstag Kriterium über 80km, Sonntag Rundstreckenrennen über 120km, alles in einer Region!

Kurz und gut, wenn schon keine Straßenrennen, dann sollten die vorhandenen Kriterien und Rundstreckenrennen schwerer gemacht werden, um das Niveau der Elitefahrer in Bayern nicht von der internationalen Entwicklung abzukoppeln! Und, ganz wichtig: Überraschende, stichprobenartige Dopingkontrollen sollten von Seiten der Veranstalter und Verbände unbedingt auch bei diesen Rennen angestrebt werden, denn die Szene ist schwer durchseucht!

Leider habe ich wieder einmal das Gefühl, als hätte ich in den Wind gesprochen, als wollte man gar nichts verändern, schließlich macht man das ja alles schon seit - zig Jahren so. Auf meiner Homepage sei mir die Artikulation meiner persönlichen Meinung erlaubt.